Glocken
Weithin erkennbar thront die Auersthaler Pfarrkirche über der Ortschaft im Süden des Weinviertels. Das römisch- katholische Gotteshaus ist dem Heiligen Nikolaus von Myra geweiht und geht in seinen Wurzeln bis in das Mittelalter zurück. Um 1328 erfolgte die Ausrufung eines Vikarats in Auersthal und womöglich auch der Bau des heutigen Chors. Das dazugehörige Langhaus wurde im Barock neu errichtet und 1859 durch Josef Wenz erweitert und umgestaltet. Das Pfarrrecht erhielt die Gemeinde während der Josephinischen Reformen Anno 1784. Im Inneren findet sich eine beeindruckende Barockausstattung, besonders aber besticht die Orgel mit ihrer pompös anmutenden Bauweise, welche über zwei Manuale bespielbar ist.
Aufzeichnungen über Glocken existieren schon sehr früh. So wird bei den Glockenablieferungen 1942 um den Verlust eines dreistimmigen Geläutes getrauert, darunter soll sich eine Marienglocke aus dem Jahr 1489 befunden haben. Um dem Turm wieder eine laute Stimme zu verleihen, bestellte man schon rasch nach Ende des Zweiten Weltkrieges einen Dur- Dreiklang bei der Gießerei Pfundner zu Wien, sodass schon zu Allerheiligen 1947 die Weihe dieser Glocken unter Kardinal Initzer erfolgen konnte. Aufgrund der Tatsache, dass das neue Geläute im westlichen Oberort nicht hörbar war, weil das Kirchendach das westliche Schallfenster der Glockenstube blockierte, montierte man die Glocken im höher gelegenen Turmhelm neu. Gleichzeitig wurde eine neue große Glocke angeschafft, die nach ihrer Spenderin, Frau Anna Hofer, auf die Fürsprache der Hl. Anna geweiht wurde. So klingt heute ein klangvoller, wegen seines Unterbringungsorts im Turmhelm einzigartiger Geläutesatz von der Nikolauskirche in die umliegenden Ländereien.
Der Glockenstuhl ist aus Eisen konstruiert und auf den Holzbalken des Turmhelms aufgesetzt. Die Armaturen (Joche, Klöppel) bestehen aus Stahl. Den platzlichhen Bedingungen zufolge hängt die große Glocke an einem stark gekröpften Joch und ist mit einem Gegengewichtsklöppel ausgestattet. Dieses macht sich beim Läuten jedoch nur wenig bemerkbar. Die Glocken III und IV besitzen Flachballenklöppel, die Klöppelballen der restlichen Glocken sind rund ausgebildet.
Ablauf der Dokumentation:
00:00 | Fotopräsentation mit Stundenschlag und Teilgeläuten (1. Geläutezustand vor 1974, 2. Moll- Dreiklang der drei großen Glocken)
Einzelglocken:
02:50 | Schutzengel- und Zügenglocke
04:15 | Nikolausglocke
05:41 | Kriegstoten- Gedenkglocke
07:20 | Rosenkranzglocke
09:28 | Annaglocke
Vollgeläut:
11:38 | Beginn des Vollgeläuts
Weitere Informationen:
Motiv: Moll- Dur- Motiv, auf g‘
Glocke I
Name: Annaglocke
Gewicht: 667 Kg
Durchmesser: 101 cm
Inschrift am Hals: SANCTE ANNAE MATRIS B. M. V. DEPRECATIO NOBIS MATRES FAMILIASQUE PLAS INPETRET
Inschrift am Mantel, unter dem Gießersiegel: ANNA HOFER N. WERNHART A. D. 1974 LAGITA EST
Schlagton: g‘
Gießer: Grassmayr, Innsbruck
Gussjahr: 1974
Glocke II
Name: Rosenkranzglocke
Gewicht: 288,5 Kg
Durchmesser: 79,6 cm
Inschrift am Hals: ☆ REGINA SS ROSARII, INTERCEDE PRO NOSTRA PACE SALUTE, ☆ // 1489 FUNDATA, 1942 LIQUATA, 1947 RENOVATA
Schlagton: b‘
Gießer: Josef Pfundner II., Wien
Gussjahr: 1947
Glocke III
Name: Kriegstoten- Gedenkglocke
Gewicht: 172 Kg
Durchmesser: 64,2 cm
Inschrift am Hals: ☆ IN DIAM MEMORIAM OMNIUM, QUOS DUO BELLA, INANIA // ☆ RADUERUNT DE MEDIO NOSTRO ☆ PAROCHIA AUERSTAL 1947
Schlagton: d“
Gießer: Josef Pfundner II., Wien
Gussjahr: 1947
Glocke IV
Name: Nikolausglocke
Gewicht: 93,5 Kg
Durchmesser: 53,4 cm
Inschrift am Hals: ☆ ST. NICOLAE CLIENTELAM TUAM INTER PROSPERA ET // ☆ ADVERSA UBIQUE DIRIGE ☆ PAROCHIA AUERSTHAL 1947
Schlagton: f“
Gießer: Josef Pfundner II., Wien
Gussjahr: 1947
Glocke V
Name: Schutzengel- und Zügenglocke
Gewicht: 87 Kg
Durchmesser: ca. 35 cm
Inschrift am Mantel: 𝕾𝖈𝖍𝖚𝖙𝖟𝖊𝖓𝖌𝖊𝖑 𝖒𝖊𝖎𝖓, // 𝖑𝖆𝖘𝖘 𝖒𝖎𝖈𝖍 𝖉𝖎𝖗 𝖊𝖒𝖕𝖋𝖔𝖍𝖑𝖊𝖓 𝖘𝖊𝖎𝖓. // 𝕾𝖕𝖊𝖓𝖉𝖊𝖗 𝖅𝖊𝖋𝖓𝖊𝖗 𝕵𝖔𝖍. 𝖚𝖓𝖉 𝕿𝖍𝖊𝖔 +
Schlagton: b“
Gießer: Krupp, Berndorf
Gussjahr: 1920
Einen Herzlichen Dank dem Pfarrverband ,,Weinviertel- Süd“ für die Ermöglichung der Aufnahmen und an @kirchenglockentv fürs Dabeisein und Läuten!
Quellen: Wikipedia, Jörg Wernisch, Glockenverzeichnis von Österreich, Lienz 2011, Eigenforschungen im Rahmen der Aufnahme

